Die Sternwarte mitten in Wien

Die Urania vor dem Hintergrund des UNIQA-Gebäudes Werner Braun für Die Wiener Nachrichten
Wenn man sich der Urania vom Stadtpark her nähert, dann sieht man deutlich, dass sich zumindest in einer Himmelsrichtung das relativ neue UNIQA-Gebäude über dem Donaukanal dem spähenden Teleskop in den Weg stellt, welches dann vielleicht statt ferner Welten die Unterlagen auf den Schreibtischen der Versicherungsbeamten entdeckt.
Diese sitzen noch dazu in fast uneingeschränkt einsehbaren Büros und werden sicher auch kein angenehmes Gefühl dabei empfinden, wenn sie in kurzer Entfernung ein Teleskop auf sich gerichtet sehen, auch wenn niemand ernsthaft die Absicht hat, ihre Arbeitsplätze mit dem Teleskop zu durchsuchen.
Man kann sich ja kaum vorstellen, dass sich mitten in der Stadt eine Sternwarte befindet. Aber die Urania am Donaukanal ist tatsächlich ein richtiges Himmelsobservatorium. Es wurde um 1909 von Max Fabiani, einem Schüler Otto Wagners errichtet und 1910 von Kaiser Franz Joseph feierlich eröffnet. Neben der Himmelbeobachtung dient die Urania vor allem der Volksbildung. Sie beherbergt die Urania-Puppenspiele, ein Kino und etliche Vortrags- und Schulungseinrichtungen, die vor allem von der Volkshochschule genutzt werden.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Urania schwer beschädigt und die Kuppel fast zur Gänze zerstört. Erst 1957 war sie wieder soweit instand gesetzt, dass sie wiedereröffnet werden konnte. In den Jahren 2002 und 2003 erfolgte dann eine Generalsanierung. Im Zuge derer wurde auch eine Gastronomieeinrichtung mit Terrasse zum Donaukanal hin eingebaut.
Vielen, die im Österreich der 60er-Jahre aufgewachsen sind, sind sicher die Urania-Puppenspiele ein Begriff. Diese konnten nicht nur in der Urania selbst live angesehen werden; sie wurden auch zweimal wöchentlich vom österreichischen Fernsehen im Kinderprogramm übertragen und erreichten dadurch einen großen Teil der österreichischen Kinder. Auch wenn damals ein Fernsehgerät in jedem Haushalt keine Selbstverständlichkeit war, so hatten doch viele Kinder die Gelegenheit, hin und wieder das Kinderprogramm entweder bei Freunden oder in Einrichtungen verschiedener Jugendorganisationen zu sehen.
Die Urania 1910 kurz nach der Eröffnung
Anders als sein Lehrer Otto Wagner gehört Max Fabiani nicht zu den Berühmtheiten unter den Jugendstil-Architekten. Und obwohl die Urania schon bald nach ihrer Eröffnung – wohl auch wegen ihres äußerst wirksamen Standortes an der Mündung des Wienflusses in den Donaukanal – zu einem Wahrzeichen Wiens wurde, erreichte der Architekt nie die Bekanntheit seines Lehrers.
Max Fabiani war nach heutigen Begriffen Migrant. Sein Heimatort ist Cobdil in Slowenien. Das Gymnasium schloss er in Ljubljana mit der Matura ab und ging dann nach Wien, um auf der Technischen Hochschule zu studieren, wo er 1902 auch promovierte.
Zwischen 1890 und 1892 war er auch Assistent an der Technischen Hochschule in Graz.
Seiner Promotion folgten ausgedehnte Studienreisen durch Europa. Nach Wien zurückgekehrt wurde Fabiani von Joseph Maria Olbrich mit Otto Wagner bekannt gemacht, welcher den jungen Slowenen schließlich als Mitarbeiter in seinem Stadtbahn-Projekt (heute U-Bahn) einstellte.
Aber Wien war nur eine Station im Leben und Schaffen Max Fabianis. Er war noch während seiner Studienzeit maßgeblich am Wiederaufbau von Ljubljana nach dem Erdbeben von 1895 beteiligt. In seinen späteren Jahren verließ er Wien wieder. 1917 wurde er Leiter des Wiederaufbauamtes in Gorizia (Görz, heute teils Italien, teils Slowenien). Diese Stelle bekleidete er bis 1922.
1935 brachte er es sogar bis zum Bürgermeister der slowenischen Stadt Štanjel, war aber auch neben diesem Amt noch als Architekt und Baumeister tätig. 1962 ist Fabiani in Gorizia verstorben. Als eigenständige Werke hat er in Wien neben der Urania das Artaria-Haus am Kohlmarkt und das Geschäftsgebäude des Handelshauses Portois & Fix in der Ungargasse hinterlassen.

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