Rassismus-Morde in Russland
Erstmals nach sechs Jahren ist die Zahl der Morde aus fremdenfeindlichen Motiven in Russland gesunken. Doch Neo-Nazi-Gruppen greifen jetzt auch Staatseinrichtungen an.
Im Jahre 2009 sind laut einer Untersuchung des Analysezentrums “Sowa” (Die Eule) in Russland 70 Menschen von nationalistischen und rechtsradikalen Tätern ermordet worden. 2008 lag die Zahl bei 109 Ermordeten. Gleichzeitig werde auf staatlicher Ebene das Problem ernst genommen, so die Vizesirektorin von Sowa, Galina Koschewnikowa, in Radio Swoboda.
Neu sei jedoch, dass inzwischen auch weitere Bevölkerungsgruppen Opfer von rechtsradikaler Gewalt geworden seien. Der Fokus verschiebe sich von Gewalttaten gegen Nichtslawen und Nichtchristen auf Terror gegen Einrichtungen des Staats, so Galina Koschewnikowa. Mehr als 20 Brandanschläge auf Milizstationen, Wehrkreisämter und andere Einrichtungen gingen auf das Konto von Rechtsradikalen. Nun gehe es den Rechtsradikalen nicht mehr nur darum, Fremde aus Russland zu verjagen, sondern das Land zu destabilisieren und ein neonazistisches Regime zu errichten. Ungeachtet der sinkenden Gewaltstatistik, so Sowa, sei das Bild insgesamt sehr bedrückend.
Vielerorts stießen Gruppen wie die “Bewegung gegen illegale Immigration” auf Sympathie. Für Juri Dschibladse vom “Zentrum für Demokratie und Menschenrechte” muss sich im russischen Rechtssystem vieles ändern. Im russischen Strafgesetz gebe es keine Strafen für rassistische Diskriminierung. Es gelte, eine Antidiskriminierungsgesetzgebung zu erarbeiten, die Miliz müsse ihre Praxis einstellen, bevorzugt Personen nichtslawischen Aussehens Passkontrollen zu unterziehen. Quelle:Tageszeitung, Foto DPA
Related entries
Standort Österreich für russische Unternehmen interessant
Bombenanschläge in Russland bis heute ungeklärt


