Heiraten für die Aufenthaltsbewilligung

(Die Presse) Dass Menschen nicht nur aus Liebe heiraten, sondern auch aus anderen Interessen, ist kein Geheimnis. Wie viele Ehen geschlossen werden, um in Österreich bleiben zu dürfen, ist aber nicht so klar. Manche nennen es Scheinehe. Maria würde es anders ausdrücken: Nicht aus Liebe, sondern um zu helfen, hat sie geheiratet. Maria ist österreichische Staatsbürgerin. Ihr Mann stammt aus Indien. Vor ihrer Heirat kannten sie einander nur als Mitbewohner. Maria wusste, dass sie sich mit dieser Eheschließung strafbar machen würde. Und sie wusste, dass es ein großes Risiko ist, als Ehepaar zusammenzuleben, obwohl man keines ist. Und doch willigte sie ein. Ihr Mann erhielt durch die Heirat einen Aufenthaltstitel und den sofortigen Zugang zum österreichischen Arbeitsmarkt. Zumindest galt das damals, zum Zeitpunkt ihrer Heirat, noch. Mit dem Jahr 2006 kam eine restriktivere Gesetzgebung – das neue Fremdengesetz; Scheinehen mit Drittstaatsangehörigen sollten dadurch unattraktiv werden. Doch wie viele Scheinehen gibt es tatsächlich? Über ihre Anzahl gibt es nur Vermutungen. Gerald Tatzgern vom Bundeskriminalamt geht von einer „dreistelligen Zahl“ aus. Ungefähr, denn „ob es 100 oder 300 sind, kann ich nicht sagen“. Im Jahr 2008 wurden laut Statistik Austria 27.075 Ehen zwischen Österreichern geschlossen. Und es gab 6353 Fälle, in denen ein Partner nicht Österreicher war. Gesondert ausgewiesen in der Statistik sind dabei Eheschließungen zwischen Österreichern und 2238 Personen aus dem ehemaligen Jugoslawien sowie 856 Personen aus der Türkei. Allesamt Scheinehen? Nein, aber die beiden Nationalitäten bilden jene Gruppe, in der die Polizei Scheinehen am häufigsten vermutet. Doch wer heiratet eigentlich wen? Zumeist sind es Österreicherinnen aus „niedrigem sozialem Niveau“, erklärt Tatzgern, „die einen Nichtösterreicher heiraten“. Den Frauen würden dafür in aller Regel zwischen 3000 und 5000 Euro angeboten.

Galina Toktalieva

Kyrgyzstan-born author residing in Graz, Austria

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