Vom Sinn der Allergie

rote Obst und Gemüse

Es besteht leider kein Zweifel mehr: Allergien haben dramatisch zugenommen und verlaufen häufig auch schwerer als früher. Doch damit nicht genug: Die Ausbreitung der Allergien geht auch mit immer ungewöhnlicheren Unverträglichkeiten einher.

In der Allergologie scheint nichts unmöglich zu sein. Es gibt mittlerweile mehr als 20.000 Stoffe, von denen eine Allergie auslösende Wirkung bekannt ist, und ständig kommen weitere hinzu.

Allergien drohen nicht nur auf der Wiese und unter Bäumen: Die meisten Menschen verbringen einen Großteil ihrer Zeit im Wohnbereich. Durch diesen hohen zeitlichen Faktor findet sich im Wohnumfeld die größte Exposition gegenüber Allergenen und anderen Faktoren. Hierbei sind nicht nur bereits bekannte Allergene wie Hausstaubmilben und Schimmelpilzsporen von Bedeutung. Denn auch vermeintlich harmlose Wohngegenstände können allergische Erkrankungen verschlechtern und stellen somit eine unerwartete Gefahrenquelle dar.

Vor allem Birkenpollen-Allergiker machen oft einen großen Bogen um die roten Lebensmittel, denn sie enthalten bestimmte Eiweiße, die den Allergenen der Birkenpollen stark ähneln – und dies kann zu allergischen Reaktionen, einer sogenannten Kreuzallergie, führen.

Allergie und Psyche

Patienten mit allergischen Erkrankungen wie Asthma und Heuschnupfen haben ein erhöhtes Risiko für psychische Störungen laut einer neuen Studie.
Allergiker berichten immer wieder davon, dass Stress, Angstzustände, depressive Verstimmungen und schwelende emotionale Konflikte in der Partnerschaft, Familie oder im Beruf ihre allergischen Symptome verschlimmert oder sogar ausgelöst hätten.

Die klassische Schulmedizin tut sich mit diesem Thema aber nach wie vor schwer. Die Auffassungen reichen von der weit verbreiteten Lehrmeinung, eine Allergie sei in erster Linie eine rein körperliche und keine seelische Erkrankung, bis hin zu der Position, dass viele Allergien psychische Ursachen hätten.

Neuere Untersuchungen zeigen zumindest, dass vor allem bei Neurodermitis, Nesselsucht und allergischem Asthma psychische Prozesse auf den Krankheitsverlauf mehr Einfluss haben, als die Experten lange angenommen haben. So hatten Heuschnupfenpatienten während der Pollensaison vor allem dann verstärkt Beschwerden, wenn sie in dieser Zeit auch psychische Konflikte zu verarbeiten hatten. Studien haben belegt, dass typische allergische Beschwerden wie Hautrötungen, Atemnot oder Schleimhautschwellungen durch Suggestion, klassische Konditionierung und unter Hypnose hervorgerufen, im Gegenzug aber auch positiv beeinflusst werden können.

Nervensystem und Immunsystem

Ohne Frage bestehen enge Beziehungen zwischen Nervensystem und Immunsystem. Sie wirken in beide Richtungen und werden durch Neurotransmitter vermittelt. Die Forschung interessiert sich zurzeit besonders für die Gruppe der so genannten Neurotrophine. Diese Neurotransmitter werden nicht nur von Nervenzellen, sondern auch von Immunzellen gebildet, und sie wirken auch auf beide Zellsysteme.


stern.de, welt.de, aeda.de

Galina Toktalieva

Kyrgyzstan-born author residing in Graz, Austria

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