Weibliche Sexualität


Von Tina Klopp
Wenn man durch die Straßen geht, kann man sich schon wundern. Wie verbissen und ernst die meisten Menschen aussehen. Macht das Leben so wenig Spaß? Wenn mal jemand lacht, dann ist es meist ein Betrunkener oder ein Kind. Dabei sind viele Dinge, die Spaß machen, für Kinder ja gar nicht verfügbar. Alkohol. Literatur. Oder Sex.

Was genauso merkwürdig ist: Man hört ständig von diesen rührenden Paaren, die zusammen alt geworden sind und nebeneinander auf der Parkbank sitzen und Händchen halten. Nur mit eigenen Augen gesehen hat man diese älteren Paare noch selten. Stattdessen beobachtet man häufig folgende Szene: Sie treibt ihn vor sich her durch den Supermarkt, nörgelt und schimpft und fährt ihm scheinbar unabsichtlich immer wieder mit dem Einkaufswagen von hinten in die Kniekehlen. Keine Spur von Dankbarkeit, trotz der vielen, gemeinsam verbrachten Jahre.

Und schließlich eine dritte Beobachtung, die nicht weniger nachdenklich stimmt: Sie weint sich die Augen aus, weil er schon wieder so ein Hund gewesen ist. War mit einer anderen im Bett, hat Pornos geschaut, mit der Nachbarin geflirtet, was auch immer. Der Chor der Freundinnen: “Männer sind Schweine.” Der Chor der Freunde: “Was soll er denn machen, wenn in der Beziehung schon seit Jahren nichts mehr läuft, er ist doch auch nur ein Mensch!”

Während Männer ihre Partnerin auch nach Jahrzehnten noch sexy finden könnten, erkalteten Frauen in der Regel nach 24 bis 36 Monaten. Aus gesellschaftlicher Konvention und sittlicher Erziehung heraus blieben Frauen in westlichen Gesellschaften aber trotzdem weiter in der Beziehung.

Die Frauen leben massenhaft monogam, obwohl sie keine Lust mehr auf Sex mit dem betreffenden Langzeitpartner haben. Dass alles gut wird und gut bleibt, hat man die große Liebe erst gefunden. Von einem Leben der giftigen Mischung aus Missverständnissen, Schuldgefühlen und Zurückweisungen, die damit einhergehen können, ist da selten die Rede.

Kommentare
So krank sind unsere Herzen
Vielleicht hat unser “westliches Lebensmodell einen schweren Konstruktionsfehler aufzuweisen”. Das glaube ich sogar. Aber ich glaube auch, dass die beobachteten Phänomene nicht die Ursache sind, sondern ein Symptom. Unsere Herzen sind krank. Weil wir immer weniger mit dem Herzen leben und reagieren. Auch in Beziehungsfragen. Sex sells. Es geht um Konsum Und wenn der unbefriedigend ist, dann wird die Marke gewechselt.

Sex und Partnerschaft,
diese 2 Dinge korrelieren, aber bedingen sich nicht absolut. Partnerschaft ist etwas das öffentlich gelebt wird und Sexualität sollte meiner Meinung nach Intimsphäre bleiben. Dann wäre es kein Problem, wenn die beiden Dinge auch mal unabhängig voneinander stattfinden. Ein Problem sehe ich daher nur in dem mangelnden Respekt vor der Intimsphäre, sowohl öffentlich als auch privat.

Diese Schweinchen
Männer haben nicht nur Kriege gemacht, sondern auch den allergrößten Teil an kulturellem Fortschritt vollbracht. Es ist, auch unabhängig von Kindererziehung, Ernährung und Schutz auch sonst sehr bequem sich mit den Männern abzufinden auch wenn es alles blos “Schweine” sind.
Selbst den Duschkopf, der beste Freund vieler selbstbestimmter Monogamistinnen hat ein Mann erfunden, die dazugehörige Wasserleitung auch und das Haus durch das sie fließt auch.
wissenschaft, wissenschaft…
Männer haben primär Lust auf Sex an sich, ich behaupte weiter, “Lust” auf die eigene Ehefrau haben die nach Jahrzehnten nur, weil die am leichtesten verfügbar ist. Wenn das Prestige oder Geld für eine Jüngere reicht, ist der Mann flugs verschwunden. Frauen können eher auf Sex verzichten, sind in ihrer Lust wählerischer, wenn das Verlangen und die heiße Verliebtheitphase ‘rum ist, dann läuft’s auch ohne und es fehlt weniger.

Einsamkeit
kann viele Gründe haben, und – ja, es liegt meistens auch an einem selbst.
Mann kann es auch aus vielen Gründen satt haben: satt von ihrer übernervösen Ungeduld, satt von stets drastisch schwankenden Launen, satt von einer Dauer-Unzufriedenheit mit ihrem/seinem eigenen “hier und da”, die aber stets an ihrem Gegenüber abgelassen wird, satt vom ständigem Bohren und sich an ihrem Gegenüber abarbeiten um seine Grenzen zu testen, satt von ihrem Fassadentrip, oder ihrer totalen Einfallslosigkeit (auch im Bett), satt von schlichten “Männer-Gewissheiten” usw. oder einfach der Geschmacklosigkeit, oder infantilen Vorstellungen von einer Beziehung (non-stop nur Spaß), satt von “auf den Knopfdruck” da sein zu müssen.

Galina Toktalieva

Kyrgyzstan-born author residing in Graz, Austria

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1 Response

  1. Toni says:

    Dear Galina!
    I follow your essays in Russian with great interest! There are not so many authors around with such a deep insight and diversity of ideas on human nature. Can you please be brave and go ahead with your writings in spite of anything.