{"id":11911,"date":"2021-06-18T16:00:05","date_gmt":"2021-06-18T14:00:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.toktali.com\/blog\/?p=11911"},"modified":"2021-06-18T16:00:05","modified_gmt":"2021-06-18T14:00:05","slug":"die-welt-als-wahrnehmung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.toktali.com\/blog\/die-welt-als-wahrnehmung\/","title":{"rendered":"Die Welt als Wahrnehmung"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.toktali.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/gelb-und-blau.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-11921 size-full\" src=\"https:\/\/www.toktali.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/gelb-und-blau.jpg\" alt=\"\" width=\"740\" height=\"474\" srcset=\"https:\/\/www.toktali.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/gelb-und-blau.jpg 740w, https:\/\/www.toktali.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/gelb-und-blau-206x132.jpg 206w, https:\/\/www.toktali.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/gelb-und-blau-382x245.jpg 382w, https:\/\/www.toktali.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/gelb-und-blau-687x440.jpg 687w\" sizes=\"auto, (max-width: 740px) 100vw, 740px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Die Philosophie der Freiheit<\/strong><br \/>\n<em>Rudolf Steiner (1861-1925) war ein \u00f6sterreichischer Publizist und Esoteriker, er begr\u00fcndete eine spirituelle Weltanschauung, die an die idealistische Philosophie anschlie\u00dft. Laut der Philosophie der Freiheit werde menschliche Freiheit nur m\u00f6glich, wenn der Mensch die Wesenheit der Dinge erkennen k\u00f6nne. Hierzu d\u00fcrfe das Wesen der Dinge nichts dem Erkennenden \u00c4u\u00dferliches, Fremdes sein, sondern er m\u00fcsse es innerhalb seines Denkens selber auffinden k\u00f6nnen (Exzerpt)<\/em><\/p>\n<p>Wenn ich an dem einen Ende einer Allee stehe, so erscheinen mir die B\u00e4ume an dem andern, von mir entfernten Ende kleiner und n\u00e4her aneinanderger\u00fcckt als da, wo ich stehe. Mein Wahrnehmungsbild wird ein anderes, wenn ich den Ort \u00e4ndere, von dem aus ich meine Beobachtungen mache. Es ist also in der Gestalt, in der es an mich herantritt, abh\u00e4ngig von einer Bestimmung, die nicht an dem Objekt h\u00e4ngt, sondern die mir, dem Wahrnehmenden, zukommt. Es ist f\u00fcr eine Allee ganz gleichg\u00fcltig, wo ich stehe. Das Bild aber, das ich von ihr erhalte, ist wesentlich davon abh\u00e4ngig. Ebenso ist es f\u00fcr die Sonne und das Planetensystem gleichg\u00fcltig, dass die Menschen sie gerade von der Erde aus ansehen. Das Wahrnehmungsbild aber, das sich diesen darbietet, ist durch diesen ihren Wohnsitz bestimmt.<br \/>\nDiese Abh\u00e4ngigkeit des Wahrnehmungsbildes von unserem Beobachtungsorte ist diejenige, die am leichtesten zu durchschauen ist. Schwieriger wird die Sache schon, wenn wir die Abh\u00e4ngigkeit unserer Wahrnehmungswelt von unserer leiblichen und geistigen Organisation kennen lernen. Der Physiker zeigt uns, dass innerhalb des Raumes, in dem wir einen Schall h\u00f6ren, Schwingungen der Luft stattfinden, und dass auch der K\u00f6rper, in dem wir den Ursprung des Schalles suchen, eine schwingende Bewegung seiner Teile aufweist. Wir nehmen diese Bewegung nur als Schall wahr, wenn wir ein normal organisiertes Ohr haben. Ohne ein solches bliebe uns die ganze Welt ewig stumm. Die Physiologie belehrt uns dar\u00fcber, dass es Menschen gibt, die nichts wahrnehmen von der herrlichen Farbenpracht, die uns umgibt. Ihr Wahrnehmungsbild weist nur Nuancen von Hell und Dunkel auf. Andere nehmen nur eine bestimmte Farbe, zum Beispiel das Rot, nicht wahr.<\/p>\n<p>Es gibt keine Farbe, wenn keine gesehen, keinen Ton, wenn keiner geh\u00f6rt wird.<br \/>\nWeil wir au\u00dferhalb unseres Organismus Schwingungen der K\u00f6rper und der Luft finden, die sich uns als Schall darstellen, so wird gefolgert, dass das, was wir Schall nennen, nichts weiter sei als eine subjektive Reaktion unseres Organismus auf jene Bewegungen in der Au\u00dfenwelt. In derselben Weise findet man, dass Farbe und W\u00e4rme nur Modifikationen unseres Organismus seien. Und zwar ist man der Ansicht, dass diese beiden Wahrnehmungsarten in uns hervorgerufen werden durch die Wirkung von Vorg\u00e4ngen in der Au\u00dfenwelt, die von dem, was W\u00e4rmeerlebnis oder Farbenerlebnis ist, durchaus verschieden sind. Wenn solche Vorg\u00e4nge die Hautnerven meines K\u00f6rpers erregen, so habe ich die subjektive Wahrnehmung der W\u00e4rme, wenn solche Vorg\u00e4nge den Sehnerv treffen, nehme ich Licht und Farbe wahr. Licht, Farbe und W\u00e4rme sind also das, womit meine Sinnesnerven auf den Reiz von au\u00dfen antworten. Auch der Tastsinn liefert mir nicht die Gegenst\u00e4nde der Au\u00dfenwelt, sondern nur meine eigenen Zust\u00e4nde.<\/p>\n<p>Das Auge und das Ohr sind sehr komplizierte Organe, die den \u00e4u\u00dferen Reiz wesentlich ver\u00e4ndern, ehe sie ihn zum entsprechenden Nerv bringen. Von dem peripherischen Ende des Nervs wird nun der schon ver\u00e4nderte Reiz weiter zum Gehirn geleitet. Hier erst m\u00fcssen wieder die Zentralorgane erregt werden. Daraus wird geschlossen, dass der \u00e4u\u00dfere Vorgang eine Reihe von Umwandlungen erfahren hat, ehe er zum Bewusstsein kommt. Was da im Gehirne sich abspielt, ist durch so viele Zwischenvorg\u00e4nge mit dem \u00e4u\u00dferen Vorgang verbunden, dass an eine \u00c4hnlichkeit mit demselben nicht mehr gedacht werden kann. Was das Gehirn der Seele zuletzt vermittelt, sind weder \u00e4u\u00dfere Vorg\u00e4nge, noch Vorg\u00e4nge in den Sinnesorganen, sondern nur solche innerhalb des Gehirnes.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Philosophie der Freiheit Rudolf Steiner (1861-1925) war ein \u00f6sterreichischer Publizist und Esoteriker, er begr\u00fcndete eine spirituelle Weltanschauung, die an die idealistische Philosophie anschlie\u00dft. Laut der Philosophie der Freiheit werde menschliche Freiheit nur m\u00f6glich, wenn der Mensch die Wesenheit der Dinge erkennen k\u00f6nne. 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