{"id":12052,"date":"2021-06-26T22:00:05","date_gmt":"2021-06-26T20:00:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.toktali.com\/blog\/?p=12052"},"modified":"2024-11-29T17:20:13","modified_gmt":"2024-11-29T16:20:13","slug":"der-agressionstrieb","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.toktali.com\/blog\/der-agressionstrieb\/","title":{"rendered":"Der Agressionstrieb"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-12053\" src=\"http:\/\/www.toktali.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/gears-persons.jpg\" alt=\"\" width=\"720\" height=\"511\" srcset=\"https:\/\/www.toktali.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/gears-persons.jpg 720w, https:\/\/www.toktali.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/gears-persons-186x132.jpg 186w, https:\/\/www.toktali.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/gears-persons-345x245.jpg 345w, https:\/\/www.toktali.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/gears-persons-620x440.jpg 620w\" sizes=\"auto, (max-width: 720px) 100vw, 720px\" \/><\/p>\n<h4>Der Aggressionstrieb im Leben und in der Neurose (1908)<\/h4>\n<p>Alfred Adler (1870-1937) war ein \u00f6sterreichischer Arzt und Psychotherapeut. Adlers Lehre hatte eine gro\u00dfe, eigenst\u00e4ndige Wirkung auf die Entwicklung der Psychologie und Psychotherapie im 20. Jahrhundert.<\/p>\n<p><em>\u0410\u043b\u044c\u0444\u0440\u0435\u0434 \u0410\u0434\u043b\u0435\u0440 \u0431\u044b\u043b \u0432\u044b\u0434\u0430\u044e\u0449\u0438\u0439\u0441\u044f \u0430\u0432\u0441\u0442\u0440\u0438\u0439\u0441\u043a\u0438\u0439 \u0432\u0440\u0430\u0447 \u043a\u043e\u043d\u0446\u0430 19 \u0438 \u043d\u0430\u0447\u0430\u043b\u0430 20 \u0432\u0435\u043a\u0430 \u2013 \u0432\u044b\u0445\u043e\u0434\u0435\u0446 \u0438\u0437 \u0435\u0432\u0440\u0435\u0439\u0441\u043a\u043e\u0439 \u0441\u0435\u043c\u044c\u0438, \u0432\u044b\u0440\u043e\u0441\u0448\u0438\u0439 \u0432 \u0442\u043e\u043c \u0441\u0430\u043c\u043e\u043c \u0440\u0430\u0439\u043e\u043d\u0435 \u0412\u0435\u043d\u044b, \u0433\u0434\u0435 \u043c\u043d\u0435 \u0434\u043e\u0432\u0435\u043b\u043e\u0441\u044c \u043f\u0440\u043e\u0432\u0435\u0441\u0442\u0438 \u043f\u044f\u0442\u044c \u043b\u0435\u0442.<br \/>\n\u0412 \u043e\u0441\u043d\u043e\u0432\u0435 \u0442\u0435\u043e\u0440\u0438\u0439 \u0410\u0434\u043b\u0435\u0440\u0430 \u043e \u0434\u0432\u0438\u0436\u0443\u0449\u0435\u0439 \u0441\u0438\u043b\u0435 \u043a\u043e\u043c\u043f\u043b\u0435\u043a\u0441\u0430 \u043d\u0435\u043f\u043e\u043b\u043d\u043e\u0446\u0435\u043d\u043d\u043e\u0441\u0442\u0438 \u0432 \u043f\u043e\u0432\u0435\u0434\u0435\u043d\u0438\u0438 \u0447\u0435\u043b\u043e\u0432\u0435\u043a\u0430, \u0441\u043e\u0433\u043b\u0430\u0441\u043d\u043e \u043c\u043e\u0435\u043c\u0443 \u043f\u043e\u043d\u0438\u043c\u0430\u043d\u0438\u044e, \u043b\u0435\u0436\u0438\u0442 \u0438\u0434\u0435\u044f \u0438 \u0441\u043e\u043e\u0442\u0432\u0435\u0442\u0441\u0442\u0432\u0438\u0438 \u043f\u0441\u0438\u0445\u0438\u0447\u0435\u0441\u043a\u043e\u0439 \u0441\u0442\u0440\u0443\u043a\u0442\u0443\u0440\u044b \u043b\u0438\u0447\u043d\u043e\u0441\u0442\u0438 \u0435\u0451 \u043c\u043e\u0440\u0444\u043e\u043b\u043e\u0433\u0438\u0447\u0435\u0441\u043a\u0438\u043c \u0438 \u0444\u0443\u043d\u043a\u0446\u0438\u043e\u043d\u0430\u043b\u044c\u043d\u044b\u043c \u043a\u043e\u043d\u0441\u0442\u0438\u0442\u0443\u0446\u0438\u043e\u043d\u0430\u043b\u044c\u043d\u044b\u043c \u043e\u0441\u043e\u0431\u0435\u043d\u043d\u043e\u0441\u0442\u044f\u043c, \u043f\u0440\u0438\u0447\u0451\u043c \u0432\u0440\u043e\u0436\u0434\u0435\u043d\u043d\u044b\u0435 \u0442\u0435\u043b\u0435\u0441\u043d\u044b\u0435 \u043d\u0435\u0434\u043e\u0441\u0442\u0430\u0442\u043e\u0447\u043d\u043e\u0441\u0442\u0438 \u043f\u0440\u0438\u0432\u043e\u0434\u044f\u0442 \u043a \u0438\u0441\u043a\u0430\u0436\u0435\u043d\u0438\u044e \u043f\u0441\u0438\u0445\u043e\u0444\u0438\u0437\u0438\u043e\u043b\u043e\u0433\u0438\u0447\u0435\u0441\u043a\u0438\u0445 \u043c\u0435\u0445\u0430\u043d\u0438\u0437\u043c\u043e\u0432 \u0432\u0437\u0430\u0438\u043c\u043e\u0434\u0435\u0439\u0441\u0442\u0432\u0438\u044f \u0438\u043d\u0434\u0438\u0432\u0438\u0434\u0430 \u0441 \u0441\u043e\u0446\u0438\u0430\u043b\u044c\u043d\u043e\u0439 \u0441\u0440\u0435\u0434\u043e\u0439 \u0432 \u0440\u0435\u0437\u0443\u043b\u044c\u0442\u0430\u0442\u0435 \u043a\u043e\u043c\u043f\u0435\u043d\u0441\u0430\u0446\u0438\u0439, \u043a\u043e\u0442\u043e\u0440\u044b\u0435 \u043d\u0435\u043e\u0431\u0445\u043e\u0434\u0438\u043c\u044b \u0434\u043b\u044f \u0441\u043e\u0445\u0440\u0430\u043d\u0435\u043d\u0438\u044f \u0435\u0434\u0438\u043d\u0441\u0442\u0432\u0430 \u0438\u043d\u0434\u0438\u0432\u0438\u0434\u0443\u0430\u043b\u044c\u043d\u043e\u0441\u0442\u0438 \u0438 \u043e\u0441\u0443\u0449\u0435\u0441\u0442\u0432\u043b\u0435\u043d\u0438\u044f \u0435\u0451 \u0436\u0438\u0437\u043d\u0435\u043d\u043d\u043e\u0439 \u043c\u0438\u0441\u0441\u0438\u0438.<\/em><\/p>\n<p>&lt; \u2026&gt;Die Individualpsychologie l\u00e4\u00dft uns jeden der Triebe auf eine prim\u00e4re Organbet\u00e4tigung zur\u00fcckf\u00fchren. Diese prim\u00e4ren Organbet\u00e4tigungen umfassen die ungehemmten Leistungen der Sinnesorgane, des Ern\u00e4hrungstraktes, des Atmungsapparates, der Harnorgane, der Bewegungsapparate und der Sexualorgane. Die Bet\u00e4tigung des Trieblebens ist mit dem Gef\u00fchl der Lust, die Verhinderung mit dem der Unlust verbunden. Der Begriff \u00bbsexuelle Lust\u00ab kann nur den Empfindungen des Sexualapparates zugesprochen werden; sp\u00e4ter kann durch die fr\u00fcher erw\u00e4hnte \u00bbTriebverschr\u00e4nkung\u00ab jedes Organgef\u00fchl mit der Erotik verkn\u00fcpft erscheinen.<\/p>\n<p>Der psychische \u00dcberbau entsteht durch die Hemmungen der Kultur und durch die Mangelhaftigkeit der Organe, welche nur bestimmte Wege f\u00fcr die Lustgewinnung, Lebenserhaltung und Expansion als statthaft gelten lassen. In diesem \u00dcberbau, dessen organisches Substrat aus Teilen der zu- und abf\u00fchrenden Nervenfasern und aus Nervenzellen besteht, die mit dem Organ in Verbindung stehen, liegen die M\u00f6glichkeiten und F\u00e4higkeiten zu bestimmten Leistungen des Gesunden und des Neurotikers, und dieser bis zu einem gewissen Grade und Alter entwicklungsf\u00e4hige Apparat gedeiht in der Regel so weit, da\u00df er auf irgendeine Weise dem Begehren des Organs, d. i. dem Trieb des Organs nachzukommen in der Lage ist.<\/p>\n<p>Er hat demnach die Tendenz, entsprechend der durch die Lebensaufgabe gesteigerten Triebst\u00e4rke zu wachsen, um seine Befriedigung durchzusetzen. Dabei vollzieht sich die Anpassung der Technik seiner Leistungen an die Kultur aus egoistischen oder altruistischen Motiven, was freilich durch die Auslese und weitgehende Blutvermischung, durch die Heredit\u00e4t also, sehr vereinfacht ist. Immerhin hat das Zentralnervensystem, der psychische \u00dcberbau der Organe, in diesem Sinne die Ersatzfunktion f\u00fcr den Ausfall der prim\u00e4ren Leistung des Organs \u00fcbernommen, das beim Menschen im allgemeinen den Anforderungen der Natur nicht gewachsen ist.<\/p>\n<p>Je st\u00e4rker also ein Trieb ist, um so gr\u00f6\u00dfer ist auch die Tendenz zur Ausbildung und Entwicklung des entsprechenden Organ\u00fcberbaus. Wie diese \u00dcberentwicklung zustande kommt, was sie im Kampfe gegen die Au\u00dfenwelt gewinnt, wie es dabei zur Verdr\u00e4ngung, notwendiger Konstellation (Ehrgeiz oder Gemeinschaftsgef\u00fchl gegen Fre\u00dftrieb beispielsweise) und zur Kompensationsst\u00f6rung (Psychosen) kommt, habe ich in meiner \u00bbStudie \u00fcber Minderwertigkeit von Organen\u00ab geschildert. Desgleichen wie durch den Zwang der Au\u00dfenwelt einerseits, durch den starken Trieb andererseits das Organ gen\u00f6tigt wird, neue Wege, eine neue, oft h\u00f6here Betriebsweise zur Befriedigung seiner Bed\u00fcrfnisse einzuschlagen. Auf diesem Wege vollzieht sich die Ausbildung des k\u00fcnstlerischen, des genialen Gehirns, ebenso aber auch, wenn die Kompensation dem Bed\u00fcrfnis nicht gewachsen ist, sie nicht siegreich umgeht, die Ausbildung der Neurose.<br \/>\n&lt; \u2026&gt;<br \/>\nEbenso wie die Schrecken der Weltgeschichte und des individuellen Lebens schafft der erregte, verhaltene Aggressionstrieb die grausamen Gestaltungen der Kunst und Phantasie. Die Psyche der Maler, Bildhauer und insbesondere des tragischen Dichters, der mit seinen Sch\u00f6pfungen \u00bbFurcht und Mitleid\u00ab erwecken soll, zeigt uns die Verschr\u00e4nkung urspr\u00fcnglich starker Triebe, der Seh-, H\u00f6r- und Tasttriebe, die sich auf dem Umweg \u00fcber den Aggressionstrieb in hochkultivierten Formen durchsetzen und uns zugleich ein anschauliches Bild der Triebverwandlung liefern.<br \/>\nEine gro\u00dfe Anzahl von Berufen \u2014 von T\u00e4tlichkeitsverbrechern und Revolutionshelden nicht zu sprechen \u2014 schafft und erw\u00e4hlt sich der st\u00e4rkere Aggressionstrieb. Die Richterlaufbahn, der Polizeiberuf, der Beruf des Lehrers, des Geistlichen (H\u00f6lle!), die Heilkunde und viele andere werden von Personen mit gr\u00f6\u00dferem Aggressionstrieb ergriffen.<br \/>\nEin weites Reservoir zur Aufnahme des Aggressionstriebes bildet auch die Politik mit ihren zahllosen M\u00f6glichkeiten der Bet\u00e4tigung und der logischen Interpretation des Angriffes. Der Lieblingsheld Napoleon, das Interesse f\u00fcr Leichenz\u00fcge und Todesanzeigen, Aberglaube, Krankheits- und Infektionsfurcht, ebenso die Furcht vor dem Lebendigbegrabenwerden und das Interesse f\u00fcr Friedh\u00f6fe decken oft bei sonstiger Verdr\u00e4ngung des Aggressionstriebes das heimliche Spiel der l\u00fcsternen Grausamkeit auf, des grausamen, egoistischen Machtstrebens.<br \/>\nEntzieht sich der Aggressionstrieb durch Umkehrung gegen die eigene Person, durch Verfeinerung und Spezialisierung wie so oft unserer Erkenntnis, so wird die Verkehrung in sein Gegenteil, die Antithese des Aggressionstriebs, geradezu zum Vexierbild. Barmherzigkeit, Mitleid, Altruismus, gef\u00fchlvolles Interesse f\u00fcr das Elend stellen neue Befriedigung dar, aus denen sich der urspr\u00fcnglich zu Grausamkeiten geneigte Trieb speist. Scheint dies verwunderlich, so ist doch leicht zu erkennen, da\u00df nur derjenige wirkliches Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Leiden und Schmerzen besitzen kann, der ein urspr\u00fcngliches Interesse f\u00fcr die Welt von Qualen zu eigen hat, der reuige S\u00fcnder; und diese kulturelle Umwandlung wird sich umso kr\u00e4ftiger ausgestalten, je gr\u00f6\u00dfer der Aggressionstrieb ist (Tolstoi, Augustin). So wird der Schwarzseher zum Verh\u00fcter von Gefahren, Kassandra zur Warnerin und Prophetin. Alle diese Erscheinungsformen des Aggressionstriebes, die reine Form, Umkehrung gegen die eigene Person, Verkehrung ins Gegenteil mit der \u00e4u\u00dferlich wahrnehmbaren Erscheinungsform der Aggressionshemmung (Abulie; psychische Impotenz) finden sich in den Neurosen und Psychosen wieder.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Aggressionstrieb im Leben und in der Neurose (1908) Alfred Adler (1870-1937) war ein \u00f6sterreichischer Arzt und Psychotherapeut. 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