{"id":12269,"date":"2021-06-29T01:00:04","date_gmt":"2021-06-28T23:00:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.toktali.com\/blog\/?p=12269"},"modified":"2021-06-29T15:45:36","modified_gmt":"2021-06-29T13:45:36","slug":"opfer-und-taeter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.toktali.com\/blog\/opfer-und-taeter\/","title":{"rendered":"Opfer und Taeter"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-12270\" src=\"https:\/\/www.toktali.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/nz-dok.jpg\" alt=\"\" width=\"720\" height=\"410\" srcset=\"https:\/\/www.toktali.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/nz-dok.jpg 720w, https:\/\/www.toktali.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/nz-dok-232x132.jpg 232w, https:\/\/www.toktali.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/nz-dok-430x245.jpg 430w, https:\/\/www.toktali.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/nz-dok-597x340.jpg 597w\" sizes=\"auto, (max-width: 720px) 100vw, 720px\" \/><br \/>\n<strong>Der Arzt im Lichte von Moral und Ethik<\/strong><\/p>\n<p>Nach dem Zweiten Weltkrieg bestand lange Zeit das mehrheitliche Bed\u00fcrfnis, \u201e\u00d6sterreich nur als erstes Opfer des Weltkrieges zu sehen\u201c. Eine erste Aufarbeitung der eigenen nationalsozialistischen Vergangenheit und der NS-Verbrechen erfolgte in \u00d6sterreich gegen Anfang der 1980er Jahre eher z\u00f6gerlich. Der unbew\u00e4ltigte Umgang mit der NS-Vergangenheit, der vor allem aus Verdr\u00e4ngen bestand, \u00e4nderte sich erst 1986 und es begann eine Auseinandersetzung mit den Opfer- und T\u00e4terrollen von \u00d6sterreichern w\u00e4hrend der NS-Zeit.<\/p>\n<p>Nur erst 55 Jahre nach Kriegsende, wurde im Rahmen der Tagung \u201eMedizin und Nationalsozialismus in der Steiermark\u201c erstmals ein St\u00fcck offizieller Erinnerungsarbeit zu einem der dunkelsten Kapitel der steirischen Geschichte geleistet.<\/p>\n<p>Durch die schrecklichen Ereignisse im Dritten Reich, die mit dem Begriff der Euthanasie in Verbindung stehen, mindestens 1500 steirische Kinder und Erwachsene wurden Opfer der NS-Aktion T4 in der Grazer \u201eLandesheil- und Pflegeanstalt Am Feldhof\u201c (der heutigen Landesnervenklinik Sigmund Freud \u2013 LSF).<\/p>\n<p>Die Urspr\u00fcnge Idee von Gnadentod gehen auf den \u00f6sterreichischen Psychologen Adolf Jost (1874 \u20131908) zur\u00fcck. Jost forderte nicht nur ein Recht auf den Tod bei unheilbarer Krankheit sondern wandte diesen Grundsatz auch auf \u201eunheilbar geistig erkrankte Menschen\u201c an, da diese nach der Auffassung von Jost nicht nur ein nutzloses, sondern auch h\u00f6chst qualvolles Leben f\u00fchrten.<\/p>\n<p>Ein Grundpfeiler der nationalsozialistischen Ideologie &#8211; die Rassenhygiene &#8211; wurde von deutschen und \u00f6stereichischen \u00c4rzten aus den Ideen des Sozialdarwinismus und der Eugenik weiterentwickelt. Dabei wurde Hitlers Machtergreifung von vielen freudig begr\u00fc\u00dft: 45% aller \u00c4rzte traten nach 1933 in die NSDAP ein. Rassenhygiene wurde Pflichtfach an den Universit\u00e4ten, F\u00e4cher wie Eugenik und Wehrmedizin ersetzten traditionelle Gebiete wie Infektionslehre und Physiologie. Bereits seit 1933 sollte ein intensives Propagandaprogramm f\u00fcr Akzeptanz in der Bev\u00f6lkerung bez\u00fcglich rassenhygienischer Ma\u00dfnahmen sorgen.<\/p>\n<p>Schon im September 1939 wurde begonnen, an alle Heil- und Pflegeanstalten, psychiatrischen Kliniken, Altenheime Meldebogen der Reichsarbeitsgemeinschaft zur Erfassung und Klassifizierung der Patienten zu versenden.<br \/>\nAus den Anstalten sollten vor allem alte Menschen, LangzeitpatientInnen sowie Personen mit attestierter Schizophrenie, Epilepsie oder Paralyse beseitigt werden.<br \/>\nDie Entscheidung zustande kam, das Rassenhygiene-Zentrum f\u00fcr die \u201eOstmark\u201c, f\u00fcr Bayern und die Untersteiermark in Schloss Hartheim einzurichten.<\/p>\n<p>Am 28. Mai 1940 startete der erste Transport mit 200 Patienten von Graz nach Hartheim.<\/p>\n<p>Neben dem Kriterium \u201eErbkrankheit\u201cspielten die Arbeitsleistung und das Benehmen der PatientInnen eine gro\u00dfe Rolle. F\u00fcr die Selektionen waren neben der psychiatrischen Erkrankung die Arbeitsf\u00e4higkeit entscheidende Kriterien. Aber nicht nur Arbeitsunf\u00e4hige, sondern auch politisch Unliebsame nach Hartheim zu ihrer Ermordung gebracht wurden. In den Papieren wurde die Verbringung mit Begriffen wie Erholungsurlaub getarnt.<\/p>\n<p>Insgesamt wird die Anzahl der im Schloss Hartheim Ermordeten auf \u00fcber 30.000 gesch\u00e4tzt. Unter den Ermordeten waren kranke und behinderte Menschen, H\u00e4ftlinge aus Konzentrationslagern und ausl\u00e4ndische Zivilarbeiter.<\/p>\n<p>Der \u00e4rztliche Leiter stand formell an der Spitze der Hierarchie der T\u00f6tungsanstalt. In seine Kompetenz fiel die T\u00f6tung der Opfer \u2013 der Gashahn musste von einem Arzt bedient werden, er bestimmte die offizielle Todesursache und war f\u00fcr die F\u00fchrung der Krankenakten zust\u00e4ndig. Auch die Bezeichnung bestimmter Opfer f\u00fcr eine Obduktion, um spezifische Pr\u00e4parate zu erhalten, verbunden mit der Anordnung, diese Menschen vor ihrer Ermordung zu fotografieren, oblag dem Arzt.<\/p>\n<p>Gaskammern waren Teil der NS-Vernichtungsmaschinerie. Die T\u00f6tungen erfolgten mit dem farb-, geruch- und geschmacklosen giftigen Gas. Es kamen verschiedene Gase zum Einsatz: F\u00fcr die T\u00f6tung durch Cyanwasserstoff (Blaus\u00e4ure) fand vor allem Zyklon B Verwendung. Auch reines Kohlenstoffmonoxid (CO) wurde benutzt, indem man es aus Gasflaschen direkt in den Raum eingeleitet hat.<\/p>\n<p>Dicht \u00fcber dem Fu\u00dfboden der Gaskammer war ein mehrfach durchbohrtes Rohr verlegt. Die Gasflaschen standen im Nebenraum; die Ventile wurden stets von einem Arzt bedient.<\/p>\n<p>In der Zeit des Nationalsozialismus wurde auch Phenobarbital zur gezielten T\u00f6tung Kranker und Behinderter eingesetzt. Paul Nitsche entwickelte 1940 das Luminal-Schema, bei dem \u00fcber mehrere Tage dreimal t\u00e4glich leicht \u00fcberdosiert Phenobarbital injiziert wurde. In Verbindung mit der zeitgleich stattfindenden systematischen Unterern\u00e4hrung, f\u00fchrte dies in kurzer Zeit zum Tod der Patienten durch Lungenentz\u00fcndung. Die T\u00f6tungsmethode war unauff\u00e4llig, da die Gabe von Phenobarbital als Beruhigungsmittel \u00fcbliche Praxis war. Das Luminal-Schema wurde zun\u00e4chst zur Ermordung von etwa 5.000 behinderten Kindern in der Kinder-\u201eEuthanasie\u201ceingesetzt. In der zweiten Phase der nationalsozialistischen \u201eEuthanasie\u201c, wurde Phenobarbital auch zur Ermordung einer weit gr\u00f6\u00dferen Zahl Erwachsener eingesetzt.<\/p>\n<p>Hunderte Menschen wurden auch zwangssterilisiert. Eng verbunden mit diesen Vorg\u00e4ngen ist die Geschichte der Medizinischen Fakult\u00e4t der Grazer Universit\u00e4t. Hier lehrten auch \u00fcberzeugte Anh\u00e4nger des Nationalsozialismus, die als Mitglieder von Erbgesundheitsgerichten und als Euthanasiegutachter aktiv waren.<\/p>\n<p><em>Die andere Steiermark<\/em><br \/>\n<em> Vergessene Opfer &#8211; gefeierte T\u00e4ter<\/em><br \/>\n<em> von Joachim Hainzl (Exzerpt siehe unten)<\/em><\/p>\n<p><em>Streit um das verbliebene Hab und Gut<\/em><br \/>\nUm Verwechslungen auszuschlie\u00dfen, wurde ihnen (Kranken) ihr Name mit Jod auf die Haut geschrieben. Wie menschenverachtend vorgegangen wurde, zeigt ein Streit zwischen der Direktion des Feldhofs und Rudolf Lonauer, dem Direktor von Hartheim, um das verbliebene Hab und Gut der PatientInnen. Lonauer \u00fcbermittelte eine eigene Liste der Habseligkeiten, auf die er besonderen Wert legte. Dazu z\u00e4hlte er etwa Schmuck, Brief\u00f6ffner, Sparb\u00fccher, Briefmarkensammlungen und sogar k\u00fcnstliche Gebisse, soweit sie sich nicht im Munde des Patienten bef\u00e4nden.<\/p>\n<p><em>Vernichtungsanstalt Hartheim<\/em><br \/>\nIn Hartheim wurden die Opfer zun\u00e4chst einem Arzt vorgef\u00fchrt, dessen Aufgabe es war, eine plausible Todesursache f\u00fcr sie zu erfinden. Dabei konnte er aus einem Katalog von 61 genau beschriebenen Todesarten w\u00e4hlen. Zuletzt wurden die Opfer fotografiert, bevor man sie direkt vom Aufnahmeraum in die als Dusch- oder Inhalationsr\u00e4ume getarnten angrenzenden Gaskammern brachte und ermordete. Die Leichen wurden in eigenen Krematorien verbrannt. Die Informationen an die Hinterbliebenen hinsichtlich des Todesdatums und der Todesursache entsprachen daher nie der Wahrheit. Selbst der genaue Inhalt der Urnen ist ungewiss.<\/p>\n<p><em>Viele wussten davon<\/em><br \/>\nDiese pl\u00f6tzlichen massenhaften \u201eVerlegungen\u201c blieben nicht unbemerkt. Sowohl unter den PatientInnen als auch vielen Angeh\u00f6rigen d\u00fcrfte deren tats\u00e4chliche Bedeutung nicht unbekannt gewesen sein. So wurden neben dem Grazer Feldhof auch aus seinen Zweigstellen Kainbach bei Graz, Messendorf, Schwanberg und Maria Lankowitz viele direkt nach Hartheim transportiert. In der Landessiechenanstalt Kindberg wurde die T\u00f6tung von 140 Personen bald nach dem Krieg publik. Dazu kommt noch eine bisher unbekannte Anzahl von Opfern in den Landessiechenanstalten Feldbach, Knittelfeld und Ehrnau bei Mautern.<\/p>\n<p><em>Kindereuthanasie<\/em><br \/>\nNeben den Erwachsenen wurden im Feldhof hunderte Kinder Opfer des Regimes und der dortigen \u00c4rzte. Seit 1939 waren \u00c4rzte und Hebammen verpflichtet, missgestaltete und behinderte Neugeborene dem Gesundheitsamt zu melden. In der Folge urteilten wiederum \u201eGutachter\u201c anhand der gemeldeten Daten \u00fcber Leben und Tod. F\u00fcr die betroffenen Kinder wurden in den Anstalten eigene \u201eKinderfachabteilungen\u201c gegr\u00fcndet, deren bekannteste der Wiener \u201eSpiegelgrund\u201c ist, in der Dr. Heinrich Gross Kinder f\u00fcr seine \u201ewissenschaftlichen\u201c Arbeiten verwendete. Die meisten Versuche waren bewusst auf den Tod der Opfer ausgerichtet.<br \/>\nMeist wurden die Kinder, wie auch ehemalige Angestellte berichten, durch Spritzen mit einer Mischung der Alkaloide Morphin und Scopolamin, so genanntes Morphium-Scopolamin in letaler Dosis get\u00f6tet.<\/p>\n<p><em>Aus Wikipedia<\/em><\/p>\n<p><strong>Ernst Sorger<\/strong> (1892-1945) war ein \u00f6sterreichischer Psychiater und Primarius an der Landes-Pflegeanstalt Feldhof bei Graz.<br \/>\nSorger war ab 1921 als Psychiater in der Pflegeanstalt Feldhof t\u00e4tig. Von 1932 bis 1944 war Sorger Primararzt der Frauenabteilung an der HPfA. Er trat 1935 der NSDAP bei, bet\u00e4tigte sich sp\u00e4ter als Redner beim Rassenpolitischen Amt der NSDAP. Sorger war zudem ab 1940 Landesobmann der \u201eErbbiologischen Bestandsaufnahme\u201cund als solcher einer der \u201eexponiertesten Rassepsychiater\u201cund strikter Bef\u00fcrworter von Zwangssterilisationen.<br \/>\nSorger geh\u00f6rte zum Kreis der T4-Gutachter f\u00fcr die Aktion T4. Diese \u201eGutachten\u201c, die meist aufgrund der Aktenlage getroffen wurden, waren gut bezahlt: Bei 100 Meldeb\u00f6gen bekamen die Gutachter 100 Reichsmark (RM). Sorger hat mit Begusch auch sogenannte Vor-Ort-Selektionen in kleineren Siechen- und Pflegeanstalten vorgenommen; dies war eine \u00f6sterreichische Besonderheit, die darin bestand, dass das allgemeine Begutachtungsverfahren teilweise durch die Arbeit sogenannter \u201efliegender \u00c4rztekommissionen\u201c ersetzt wurde.<\/p>\n<p><strong>Oskar Begusch<\/strong> (1897-1944) war ein \u00f6sterreichischer Psychiater, Direktor der Landes-Irren-Heil- und Pflegeanstalt Feldhof bei Graz.<\/p>\n<p>Begusch war von 1921 bis 1928 Assistent an der Nervenklinik Graz und danach bis 1939 als praktischer Nervenarzt in Graz t\u00e4tig. Ab September 1939 bis Januar 1944 war Begusch Direktor der Anstalt \u201eAm Feldhof\u201c. Unter seiner Leitung entwickelte sich der Feldhof zu einem Zentrum eugenischer Ma\u00dfnahmen in der Steiermark.<\/p>\n<p><strong>Rudolf Lonauer<\/strong> (1907-1945) war ein \u00f6sterreichischer Nationalsozialist. Als in der Ostmark f\u00fchrender NS-Euthanasie-Arzt leitete er die NS-T\u00f6tungsanstalt Hartheim.<\/p>\n<p>Sein Medizinstudium war schon im Sinne der Rassenhygiene ausgerichtet, er studierte beim Professor der Neurologie Fritz Hartmann in Graz, der bereits 1919 die \u201eerbliche Reinhaltung der deutschen Rasse\u201c gefordert hatte. Wie Hartmann vertrat auch Lonauer die Meinung, dass psychotherapeutische Vorgehensweisen als \u201ej\u00fcdisch\u201c abzulehnen seien.<\/p>\n<p>Mit 33 Jahren wurde er Leiter der NS-T\u00f6tungsanstalt Hartheim in Alkoven. Zudem f\u00fchrte er eine Privatpraxis in Linz. Er unternahm auch Dienstreisen gemeinsam mit Aktion-T4-Obergutachter Hermann Paul Nitsche, Viktor Brack und Victor Ratka, wobei in Krankenh\u00e4usern, psychiatrischen Anstalten und Altersheimen nach \u201eunwertem Leben\u201c gesucht und f\u00fcr die T\u00f6tungsanstalten selektiert wurde.<br \/>\nAls T4-Gutachter entschied er \u00fcber Tod oder Leben von Menschen aufgrund der Meldebogen, ohne jemals den betreffenden Menschen gesehen zu haben. Von der Aktion T4 wurde er f\u00fcr diese T\u00e4tigkeiten mit monatlichen Pauschalen bezahlt.<\/p>\n<p>In der von Lonauer geleiteten Anstalt Niedernhart in Linz wurde anfangs nur eine Verminderung der Fleischrationen f\u00fcr die Patienten festgelegt. Bis April 1945 wurde in Niedernhart und Gschwendt get\u00f6tet, in der sogenannten wilden bzw. dezentralen Euthanasie, mittels Medikamenten. Insgesamt wird von gesch\u00e4tzten 800 T\u00f6tungen ausgegangen.<br \/>\nW\u00e4hrend des Krieges wurden auch rund 250 Personen in Niedernhart eingewiesen, bei denen es sich offenbar um ausl\u00e4ndische Zivilarbeiter (darunter zahlreiche Ostarbeiter) handelte. Auch einige von ihnen wurden im Rahmen der \u201eEuthanasie\u201c in Niedernhart ermordet.<\/p>\n<p><strong>Heinrich Gross<\/strong> (1915 -2005) war ein \u00f6sterreichischer Arzt, der als Stationsleiter der Reichsausschu\u00df-Abteilung an der Wiener Euthanasie-Klinik Am Spiegelgrund behinderte Kinder f\u00fcr Forschungszwecke missbrauchte und an ihrer Ermordung beteiligt war. Seine Nachkriegskarriere konnte er auf der w\u00e4hrend der NS-Zeit entstandenen Gehirnsammlung aufbauen, die er f\u00fcr 34 wissenschaftliche Arbeiten heranzog. Er wurde Leiter des eigens f\u00fcr ihn geschaffenen Ludwig Boltzmann-Instituts zur Erforschung der Mi\u00dfbildungen des Nervensystems und meistbeauftragter Gerichtspsychiater \u00d6sterreichs.<\/p>\n<p><strong>Josef Vallaster<\/strong> (1910 &#8211; 1943) war ein \u00f6sterreichischer Nationalsozialist und ab 1940 an den Verbrechen der NS-\u201eEuthanasie\u201cund des Holocaust beteiligt. Er wurde unter anderem in der NS-T\u00f6tungsanstalt Hartheim sowie im Vernichtungslager Sobib\u00f3r eingesetzt.<br \/>\nAb April 1940 wurde Vallaster im Rahmen der Aktion T4 in Hartheim zun\u00e4chst als Arbeiter f\u00fcr Umbauarbeiten eingesetzt, wie f\u00fcr den Einbau eines Verbrennungsofens und die Herstellung eines Vergasungsraumes. Ab Mai 1940 war er in der von dem T4-Gutachter Rudolf Lonauer geleiteten T\u00f6tungsanstalt an der Vergasung und Verbrennung von behinderten und kranken Menschen beteiligt. Zu Vallasters Aufgaben geh\u00f6rte das Ausbrechen von Goldz\u00e4hnen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-12277 size-full\" src=\"https:\/\/www.toktali.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Gaswagen.jpg\" alt=\"\" width=\"580\" height=\"435\" srcset=\"https:\/\/www.toktali.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Gaswagen.jpg 580w, https:\/\/www.toktali.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Gaswagen-176x132.jpg 176w, https:\/\/www.toktali.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Gaswagen-327x245.jpg 327w, https:\/\/www.toktali.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Gaswagen-453x340.jpg 453w\" sizes=\"auto, (max-width: 580px) 100vw, 580px\" \/><\/p>\n<p><strong>Gaswagen<\/strong><br \/>\nwurden erstmals im Sommer 1940 zur Ermordung von Patienten im Rahmen der Aktion T4 (\u201eEuthanasie\u201c) im Wartheland (Polen) eingesetzt. Jeweils rund 40 Personen wurden in luftdichten LKW-Aufbauten w\u00e4hrend der Fahrt mit Kohlenmonoxyd aus Flaschen vergast. Diese T\u00f6tungsmethode wurde so ver\u00e4ndert, dass die Motorabgase in die geschlossenen Kastenaufbauten gelenkt wurde. Die Gaswagen wurden im Gebiet der besetzten Sowjetunion von den dortigen Einsatzgruppen eingesetzt.<br \/>\nDie T\u00f6tungen wurden im Normalfall durch Einleitung der Autoabgase w\u00e4hrend der Fahrt von einem Sammelplatz zu einem Exekutionsort durchgef\u00fchrt. Im Dezember 1941 wurden in Chelmno (Kulmhof) ein Vernichtungslager errichtet. Innerhalb eines Jahres wurden dort mindestens 152 000 Menschen in Gasw\u00e4gen ermordet.<br \/>\n(zitiert nach Enzyklop\u00e4die)<br \/>\n<em>Technik<\/em><br \/>\nAls Gaswagen bezeichnet die Forschung speziell gebaute Lastkraftwagen, mit denen das NS-Regime Ermordungen mittels CO als auch durch Abgase vornahm. Die Kastenaufbauten mit dicht schlie\u00dfender Fl\u00fcgelt\u00fcr am Heck wurden von der Firma Gaubschat\/Berlin geliefert.Dort wurde am Auspuff ein Abgasschlauch angebracht, der von au\u00dfen zum Boden des Wagens gef\u00fchrt wurde.<br \/>\nBei Anlassen des Motors und nach hergestellten Verbindungen gingen die Auspuffgase des Motors durch den Auspuff in den Abgasschlauch und von dort in das im Wageninneren angebrachte Auspuffrohr.<\/p>\n<p>Je nach Gr\u00f6\u00dfe der wie M\u00f6belwagen aussehenden LKWs wurden 25 bis 50 Opfer zum Einsteigen gen\u00f6tigt. Der Motor wurde f\u00fcr wenigstens zehn Minuten betrieben. W\u00e4hrend dieser Zeit waren oft Schreie und Klopfen der eingeschlossenen Menschen zu h\u00f6ren, die in Todesangst zur fest verriegelten T\u00fcr dr\u00e4ngten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Arzt im Lichte von Moral und Ethik Nach dem Zweiten Weltkrieg bestand lange Zeit das mehrheitliche Bed\u00fcrfnis, \u201e\u00d6sterreich nur als erstes Opfer des Weltkrieges zu sehen\u201c. Eine erste Aufarbeitung der eigenen nationalsozialistischen Vergangenheit und der NS-Verbrechen erfolgte in \u00d6sterreich gegen Anfang der 1980er Jahre eher z\u00f6gerlich. 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