{"id":12676,"date":"2021-07-03T16:00:05","date_gmt":"2021-07-03T14:00:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.toktali.com\/blog\/?p=12676"},"modified":"2021-11-27T16:45:03","modified_gmt":"2021-11-27T15:45:03","slug":"das-ich-als-netzwerkphaenomen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.toktali.com\/blog\/das-ich-als-netzwerkphaenomen\/","title":{"rendered":"Das Ich als Netzwerkph\u00e4nomen"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.toktali.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/man-sitting.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.toktali.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/man-sitting.jpg\" alt=\"alter-ego\" class=\"aligncenter size-full wp-image-12677\" width=\"720\" height=\"485\" srcset=\"https:\/\/www.toktali.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/man-sitting.jpg 720w, https:\/\/www.toktali.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/man-sitting-196x132.jpg 196w, https:\/\/www.toktali.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/man-sitting-364x245.jpg 364w, https:\/\/www.toktali.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/man-sitting-653x440.jpg 653w\" sizes=\"auto, (max-width: 720px) 100vw, 720px\" \/><\/a><br \/>\n<em>Von Manuel Stelzl<\/em><br \/>\nWissen wir \u00fcberhaupt, was wir damit meinen, wenn wir von unserem \u201eIch\u201c sprechen?<br \/>\nDas Ich ist das, wof\u00fcr sich jemand h\u00e4lt \u2013 wie etwa Willensakte, Erinnerungen, Empfindungen, \u00dcberzeugungen, Verhaltenseinstellungen usw. Eines der erstaunlichsten Merkmale des Ich ist wohl die Kontinuit\u00e4t bzw. Einheit unserer Selbstwahrnehmung.<br \/>\nAber warum sollten wir real sein? Vielleicht ist es blo\u00df unser Gehirn, das diese erlebte Einheitlichkeit erzeugt?<br \/>\nF\u00fchrende Bewusstseins- und Hirnforscher wie Gerhard Roth, Wolf Singer und Thomas Metzinger stimmen alle darin \u00fcberein, dass in unserem Gehirn lediglich ein evolution\u00e4r bedingtes Ich-Gef\u00fchl erzeugt wird.<br \/>\nBewusstsein ist \u201edas Erscheinen einer Welt\u201c, sagt der renommierte Bewusstseinsforscher Thomas Metzinger. In Wahrheit g\u00e4be es kein Selbst oder Ich, sondern lediglich ein durch unser Gehirn erzeugtes \u201eSelbstmodell\u201c. Dieses Modell k\u00f6nnen wir selbst nicht erkennen, da die Wirklichkeit, die es erzeugt absolut glaubhaft f\u00fcr uns sein muss. Der Tunnel, durch den wir Wirklichkeit erleben, muss daher \u201etransparent\u201c bleiben, so Metzinger. Unser Gef\u00fchl f\u00fcr Vergangenheit und Gegenwart, f\u00fcr Endlichkeit und Unendlichkeit, f\u00fcr r\u00e4umliche Ausdehnung und Geschwindigkeit, von Ich und Nicht-Ich, unser Erinnerungsverm\u00f6gen und unser Erleben eines Jetzt sind Teile jenes Wirklichkeitsmodells in unserem Gehirn, dem auch unser Selbstmodell angeh\u00f6rt. Sein Zweck ist unser \u00dcberleben.<br \/>\nDas menschliche Gehirn besteht aus etwa 100 Milliarden Nervenzellen, wobei jedes Neuron mit ca. 10.000-15.000 weiteren Neuronen interagiert. Seine Funktionsweise sollte man sich vorstellen wie ein Orchester, das perfekt aufeinander abgestimmt ist, blo\u00df ohne Dirigenten, sagt der Frankfurter Hirnforscher Wolf Singer. Aus dieser Sicht ist Bewusstsein ein gewaltiges neuronales Netzwerkph\u00e4nomen. Gemeint sind Neuronenverb\u00e4nde bzw. Hirnareale, die schlie\u00dflich ein \u201eInneres Gesamtbild\u201c erzeugen. Wie das genau funktioniert ist bis heute ungekl\u00e4rt. Selbstbewusstsein sei jedenfalls nicht so einfach lokalisierbar, sondern vielmehr das Resultat des Zusammenspiels jener Neuronenverb\u00e4nde, die jeweils ihren Beitrag zum Ich-Gef\u00fchl leisten.<\/p>\n<p>Quelle: Der Aufsatz ist ein Auszug aus dem Artikel:&#8221;Gibt es ein Ich im Gehirn?&#8221; von Manuel Stelzl in &#8220;Abenteuer Philosophie&#8221;, Ausgabe 2, Graz-2014<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Manuel Stelzl Wissen wir \u00fcberhaupt, was wir damit meinen, wenn wir von unserem \u201eIch\u201c sprechen? Das Ich ist das, wof\u00fcr sich jemand h\u00e4lt \u2013 wie etwa Willensakte, Erinnerungen, Empfindungen, \u00dcberzeugungen, Verhaltenseinstellungen usw. Eines der erstaunlichsten Merkmale des Ich ist wohl die Kontinuit\u00e4t bzw. Einheit unserer Selbstwahrnehmung. Aber warum sollten wir real sein? 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