{"id":12833,"date":"2021-07-19T08:00:04","date_gmt":"2021-07-19T06:00:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.toktali.com\/blog\/?p=12833"},"modified":"2023-08-18T19:28:50","modified_gmt":"2023-08-18T17:28:50","slug":"einsamkeit-macht-egozentrisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.toktali.com\/blog\/einsamkeit-macht-egozentrisch\/","title":{"rendered":"Einsamkeit und Egozentrik"},"content":{"rendered":"<p>Sich ab und zu mal isoliert zu f\u00fchlen ist normal. Doch wer sich langfristig einsam f\u00fchlt neigt dazu, sich viel zu viel mit sich selbst zu besch\u00e4ftigen. Und damit beginnt ein Teufelskreis.<\/p>\n<p>Drei Psychologen von der University of Chicago haben sich jetzt einmal angesehen, was auf Dauer mit Menschen geschieht, die sich oft so verlassen f\u00fchlen. John Cacioppo, der als Professor am Center for Cognitive and Social Neuroscience arbeitet, untersuchte mit zwei Kollegen Daten von knapp 230 Probanden, die \u00fcber elf Jahre lang immer wieder befragt worden waren. Zum Studienstart waren diese zwischen 50 und 68 Jahre alt gewesen, zum Ende hin also zwischen 61 und 79 Jahre.<\/p>\n<p>\u00dcber diesen Zeitraum von elf Jahren habe die Einsamkeit vor allem dazu gef\u00fchrt, dass die Probanden selbstzentrierter geworden seien. Das klingt nicht sonderlich \u00fcberraschend und war es auch f\u00fcr die Forscher nicht. Wer sich einsam f\u00fchlt und wenig erf\u00fcllende Beziehungen zu anderen Menschen hat, der muss sich ja zwangsl\u00e4ufig auf sich selbst beschr\u00e4nken.<br \/>\nAllerdings fanden die Forscher auch den umgekehrten Effekt: Wer schon zu Beginn der Untersuchung selbstzentrierter war als andere und viel um sich selbst kreiste, der f\u00fchlte sich Jahre sp\u00e4ter auch \u00f6fter einsam.<\/p>\n<p>Es scheint also eine direkte Verbindung zu geben zwischen dem Gef\u00fchl, von anderen isoliert zu sein, und der Tendenz, sich \u00fcberm\u00e4\u00dfig viel mit sich selbst zu besch\u00e4ftigen, und zwar in beide Richtungen. Einmal angesto\u00dfen, befeuern sich diese beiden leider gegenseitig. \u201eWer selbstzentrierter wird, riskiert es, langfristig in dem Gef\u00fchl der Einsamkeit stecken zu bleiben\u201c, schlussfolgern die Wissenschaftler. Und wer einsam ist, neigt in der Folge dazu, immer mehr um sich selbst zu kreisen.<\/p>\n<p>Wichtig ist den Forschern, zu betonen, dass Einsamkeit grunds\u00e4tzlich nichts Schlechtes ist \u2013 solange sie nicht zum Dauerzustand wird. Evolution\u00e4r gesehen ist das Gef\u00fchl, sich allein zu f\u00fchlen, sogar sehr sinnvoll: So wie physische Schmerzen signalisieren, dass man sich um seinen K\u00f6rper k\u00fcmmern muss, signalisiert Einsamkeit, dass man sich um seine Beziehungen k\u00fcmmern sollte.<\/p>\n<p>F\u00fcr einige wenige mag diese Verkoppelung von Einsamkeit und Selbstbezogenheit in dem kuriosen Mini-Trend der &#8220;Selbst-Heirat&#8221; m\u00fcnden, bei dem Menschen sich selbst einen Ring anstecken und ewige Liebe versprechen. Ob diese Zusammenh\u00e4nge den Mini-Trend aber wirklich verst\u00e4rken, ist nicht bekannt. In den USA und in Japan geben sich zunehmend Frauen selbst das Ja-Wort. Dabei geht es offenbar einerseits um ein Bekenntnis zu sich selbst, andererseits auch darum, einmal Braut zu sein &#8211; auch ohne Mann. Daf\u00fcr muss Einsamkeit kein ausl\u00f6sender Grund sein.<\/p>\n<p>Quelle: welt.de (Gesundheit)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sich ab und zu mal isoliert zu f\u00fchlen ist normal. Doch wer sich langfristig einsam f\u00fchlt neigt dazu, sich viel zu viel mit sich selbst zu besch\u00e4ftigen. Und damit beginnt ein Teufelskreis. 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