{"id":13167,"date":"2021-08-15T10:00:05","date_gmt":"2021-08-15T08:00:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.toktali.com\/blog\/?p=13167"},"modified":"2024-11-28T12:55:07","modified_gmt":"2024-11-28T11:55:07","slug":"mars-als-garten-eden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.toktali.com\/blog\/mars-als-garten-eden\/","title":{"rendered":"Mars als Garten Eden"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-13592 size-full\" src=\"https:\/\/www.toktali.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Apo-4-Models.png\" alt=\"\" width=\"1320\" height=\"623\" srcset=\"https:\/\/www.toktali.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Apo-4-Models.png 1320w, https:\/\/www.toktali.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Apo-4-Models-520x245.png 520w, https:\/\/www.toktali.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Apo-4-Models-720x340.png 720w, https:\/\/www.toktali.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Apo-4-Models-320x151.png 320w, https:\/\/www.toktali.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Apo-4-Models-768x362.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1320px) 100vw, 1320px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In einer neuen Studie haben Forscher nun erneut untersucht, inwiefern der Mensch den Mars zur zweiten Erde umgestalten kann &#8211; die Rede ist vom Terraforming.<\/p>\n<p>Treibhauseffekt erw\u00fcnscht<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich auch der Mars, sein Naturzustand ist f\u00fcr den Mensch ungeeignet und k\u00f6nnte deshalb einem &#8220;planetary engineering&#8221; unterworfen werden, so schrieb Carl Sagan 1973. Der angesehene US-Astronom brachte die Idee ins Spiel, die vereisten Marspole zu schmelzen. Dazu solle k\u00fcnstlich die Aufnahme von Sonnenw\u00e4rme verst\u00e4rkt werden, beispielsweise indem man dort dunkle Pflanzen kultiviert. Sagan schr\u00e4nkte ein, dass so etwas kaum in naher Zukunft realisierbar w\u00e4re.<\/p>\n<p>Aktuell betr\u00e4gt die durchschnittliche Temperatur auf dem Mars minus 63 Grad Celsius, wobei kurzzeitig auch positive Werte m\u00f6glich sind. In der neuen Studie geht es dem Team um Bruce Jakosky von der Universit\u00e4t in Colorado deshalb insbesondere um die Frage: Kann man die marsianische Gash\u00fclle so weit ver\u00e4ndern, dass von ihr ein starker Treibhauseffekt bewirkt wird und sie sich aufw\u00e4rmt?<\/p>\n<p>Immerhin besteht die H\u00fclle zu 96 Prozent aus dem Treibhausgas Kohlendioxid (CO2), berichten die Forscher im Fachmagazin &#8220;Nature Astronomy&#8221;. Allerdings ist die Marsluft extrem d\u00fcnn, der Druck am Boden betr\u00e4gt rund sechs Millibar, auf der Erde sind es 1014. Deshalb haben sich die Autoren nach zus\u00e4tzlichen Quellen umgesehen, wo auf dem Mars Kohlendioxid gespeichert ist und &#8211; zumindest theoretisch &#8211; in die Gash\u00fclle abgegeben werden k\u00f6nnte. Sie werteten dazu aktuelle Daten der Marssonden aus.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich existiert in den beiden Polkappen Trockeneis, das ist gefrorenes Kohlendioxid. Jeweils im Winter legt es sich dort \u00fcber das Wassereis. Etwa ein Drittel des gesamten atmosph\u00e4rischen Inventars ist so immer in fester Form gespeichert.<\/p>\n<p>Im Sommer schrumpfen dann die Kappen, weil das Kohlendioxid in den gasf\u00f6rmigen Zustand \u00fcbergeht. Die n\u00f6rdliche Eiskappe verliert dabei praktisch ihr gesamtes Trockeneis, w\u00e4hrend am S\u00fcdpol auch im Sommer etwas davon durchh\u00e4lt. Radarmessungen weisen im S\u00fcden zudem auf unterirdisches Trockeneis hin.<br \/>\nUnd trotzdem: Mit all dem polaren Vorkommen ist kein Terraforming zu bewerkstelligen, berichten die Forscher. Wenn alles Trockeneis zu Gas w\u00fcrde, stiege der Atmosph\u00e4rendruck nur auf rund zw\u00f6lf Millibar.<\/p>\n<p>D\u00e4mpfer f\u00fcr Marskolonisten<\/p>\n<p>\u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich auch mit den weiteren Kohlendioxid-Reservoirs: Anders als auf der Erde sind kohlenstoffhaltige Minerale auf dem Mars selten. Mehr als 50 Millibar gasf\u00f6rmiges Kohlendioxid kann demnach aus diesem Vorrat kaum gewonnen werden.<\/p>\n<p>Zwar k\u00f6nne auch der gesamte Marsboden Kohlendioxid speichern, weil n\u00e4mlich CO2-Molek\u00fcle auf der Oberfl\u00e4che feiner Sandk\u00f6rnchen haften, so die Forscher. Aber auch dieser Effekt k\u00f6nne h\u00f6chstens 50 Millibar beitragen, vorausgesetzt, es gel\u00e4nge, diesen Vorrat planetenweit freizusetzen.<\/p>\n<p>&#8220;Sogar wenn man das alles zur\u00fcck in die Marsatmosph\u00e4re bringen w\u00fcrde, w\u00e4re es nicht genug, um den Planeten zu erw\u00e4rmen&#8221;, stellt Jakosky klar. F\u00fcr eine Erw\u00e4rmung bis an den Schmelzpunkt von Wassereis m\u00fcsste die Luft auf dem Mars f\u00fcr etwa 1000 Millibar Kohlendioxid enthalten.<\/p>\n<p>Die Studie d\u00fcrfte auch als D\u00e4mpfer f\u00fcr die ambitionierten Pl\u00e4ne wirken, wie sie beispielsweise Elon Musk propagiert. Bereits ab dem n\u00e4chsten Jahrzehnt will der Chef von Tesla und SpaceX mit riesigen neuen Raumschiffen Tausenden Marskolonisten den Weg bahnen, die vor Ort dann eine Stadt errichten sollen. Musks Pl\u00e4nen zufolge soll ein Ticket angeblich 200.000 Dollar kosten.<\/p>\n<p>Jakosky kommt allerdings zu einem ern\u00fcchternden Res\u00fcmee: Selbst wenn noch mehr Kohlendioxid von kommenden Marsmissionen entdeckt w\u00fcrde, m\u00fcssten gro\u00dfe Teile der Planetenoberfl\u00e4che umgestaltet werden &#8211; ein Projekt, das mit der heutigen Technologie nicht durchf\u00fchrbar sei. Seit Sagan 1973 etwas \u00c4hnliches schrieb, hat sich das Wissen \u00fcber den Mars zwar enorm vermehrt. Den W\u00fcstenplaneten mittels seiner Gash\u00fclle in einen Garten Eden zu verwandeln, bleibt aber eine Idee f\u00fcr Science-Fiction-Romane.<\/p>\n<p>Von Thorsten Dambeck, Spiegel online<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwar k\u00f6nne auch der gesamte Marsboden Kohlendioxid speichern, weil n\u00e4mlich CO2-Molek\u00fcle auf der Oberfl\u00e4che feiner Sandk\u00f6rnchen haften, so die Forscher.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":13592,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"image","meta":{"footnotes":""},"categories":[659,7],"tags":[],"class_list":["post-13167","post","type-post","status-publish","format-image","has-post-thumbnail","hentry","category-deutsch","category-media-newspapers-journalism","post_format-post-format-image"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.toktali.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13167","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.toktali.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.toktali.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.toktali.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.toktali.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13167"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.toktali.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13167\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.toktali.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/13592"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.toktali.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13167"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.toktali.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13167"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.toktali.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13167"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}