{"id":13259,"date":"2021-08-04T15:00:05","date_gmt":"2021-08-04T13:00:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.toktali.com\/blog\/?p=13259"},"modified":"2023-08-14T21:04:16","modified_gmt":"2023-08-14T19:04:16","slug":"psychopillen-und-gehirn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.toktali.com\/blog\/psychopillen-und-gehirn\/","title":{"rendered":"Psychopillen und Gehirn"},"content":{"rendered":"\r\n\r\n<p><strong>Hirnsch\u00e4digung durch Neuroleptika<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Die moderne Psychiatrie basiert auf der Verordnung von Medikamenten. Im Fall von akuten Wahnvorstellungen k\u00f6nnen Medikamente vielleicht zeitweise hilfreich sein. Jedoch erhalten auch viele depressive Patienten die Mittel um die anregende Wirkung, die manche Antidepressiva entfalten, zu mildern.&nbsp;Eine neue Arbeit zeigt, dass der dauerhafte Gebrauch von Neuroleptika die Gehirnsubstanz angreift und schrumpfen l\u00e4sst. Die Schrumpfung findet in Bereichen des Gehirns statt, die mit \u201eEntscheidungen\u201c und \u201eKognition\u201c in Verbindung gebracht werden.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong>Gehirnsch\u00e4den<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>L\u00e4ngere Dauer der\r\nKrankheit und antipsychotische Behandlung waren beide mit Verlust an Hirngewebe\r\nverbunden. H\u00f6here Dosen von Antipsychotika waren mit Hirngewebeverlust,\r\nreduzierter grauen Substanz und zunehmenden R\u00fcckg\u00e4ngen der wei\u00dfen Hirnsubstanz\r\nverbunden, also gr\u00f6\u00dferer Hirnsch\u00e4digung verbunden.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Unter jungen\r\nErwachsenen ist Schizophrenie eine f\u00fchrende Ursache f\u00fcr chronische\r\nEinschr\u00e4nkungen laut den Hintergrundinformationen der Studie. Vom Verlust an\r\nGehirnvolumen bei diesen Patienten wurde zuvor angenommen, dass er durch die\r\nKrankheit verursacht werde.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Die Befunde\r\nmachen auch Sorgen hinsichtlich der Verschreibung von Antipsychotika bei\r\nPatienten mit anderen psychischen Krankheiten als Schizophrenie, wie bipolare\r\nSt\u00f6rung oder&nbsp;Depression.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong>Abh\u00e4ngig von\r\nDauer und Menge<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Forscher der\r\nUniversit\u00e4t Brescia (Italien) haben entdeckt, dass der langfristige Gebrauch\r\nvon Antipsychotika bei Menschen mit Schizophrenie negative Auswirkungen auf die\r\nStruktur des&nbsp;Gehirns&nbsp;hat.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Die Resultate\r\nzeigen, dass ein verringertes Volumen oder ein im Verlaufe der Zeit gr\u00f6\u00dferer\r\nVerlust der grauen Substanz mit der Dauer der antipsychotischen Behandlung oder\r\nkumulativen Einnahme der Neuroleptika verbunden ist.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong>Schrumpfung von Gehirnvolumen<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Damit best\u00e4tigt\r\ndie Forscherin Nancy Andreasen aus Iowa vorherige Versuche, die an&nbsp;Affen\r\ndurchgef\u00fchrt wurden. Als den Affen \u00fcber ein Zeitraum von 2 Jahren Haloperidol\r\nund Olanzapin verabreicht wurde, zeigte sich bei diesen Affen \u2013 im Vergleich zu\r\nunbehandelten Affen \u2013 eine Reduktion der Gehirnmasse in Bereichen, die f\u00fcr\r\nEntscheidungen wichtig sind, um 8 bis 11 Prozent.&nbsp;Eine weitere Studie\r\nhatte zuvor gezeigt, dass bei Menschen bereits nach einem Jahr das\r\nGehirnvolumen nach Neuroleptika-Einnahme eine Schrumpfung aufweist.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Die Arbeitsgruppe\r\nvon Andreasen hat die bislang ausf\u00fchrlichsten Ergebnisse vorgelegt. F\u00fcr die\r\nStudie untersuchten die Forscher die Gehirne von 211 Schizophrenie-Patienten\r\n\u00fcber einen Zeitraum von 7 bis 14 Jahren mit der MRT-Technologie. Die Patienten\r\nhatten durchschnittlich t\u00e4glich neuroleptische Medikamente erhalten, die einer\r\nDosis von 4mg Haloperidol entsprachten. Bei den Patienten wurden sowohl alte\r\nNeuroleptika als auch neuere, sogenannte atypische Neuroleptika eingesetzt. Die\r\nArt der Neuroleptika hatte jedoch keinen Einfluss auf die Ergebnisse.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong>Folgen auf kognitive Prozesse<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Der Gehirnschwund\r\ntrat im frontalen, temporalen und parietalen Bereich der Gro\u00dfhirnrinde auf\r\numfasste die gesamte sogenannte \u201egraue Substanz\u201c ein Abbau der \u201ewei\u00dfen\r\nSubstanz\u201c erfolgte meist zeitlich etwas sp\u00e4ter. Je h\u00f6her die\r\nMedikamentendosierung war, desto st\u00e4rker zeigte sich der Abbau. Dies hatte\r\nFolgen auf mehrere kognitive Prozesse. Es zeigten sich Verschlechterungen beim\r\nverbalen Lernen, bei Tests f\u00fcr die Aufmerksamkeit, bei der Kapazit\u00e4t des\r\nArbeitsged\u00e4chtnisses, sowie beim Probleml\u00f6sungsverhalten.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Einen zus\u00e4tzlichen Einfluss auf die Abbauvorg\u00e4nge hatte die zeitliche L\u00e4nge der R\u00fcckf\u00e4lle (jedoch nicht die Anzahl) in schizophrene Psychosen. Aus diesem Grund erscheint auch ein Einfluss der Erkrankung auf den Abbau von Zellen im Gehirn m\u00f6glich zu sein.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong>Nebenwirkungen<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Substanzen wie Haloperidol, Flupentixol, Perazin und andere Neuroleptika der ersten Generation ziehen mitunter schwere und in der \u00fcberwiegenden Mehrzahl nicht mehr beeinflussbare Sp\u00e4tdyskinesien nach sich. Diese \u00e4u\u00dfern sich in unwillk\u00fcrlichen Zuckungen, Tics und auff\u00e4lligen Bewegungsanomalien an der Zunge, im Gesicht sowie im Bereich von Hals- und Rumpfmuskeln. Sie k\u00f6nnen ein solches Ausma\u00df annehmen, dass die Betroffenen allein deswegen schon stigmatisiert werden. Es wird gesch\u00e4tzt, dass weltweit bis zu 86 Millionen Menschen an diesen Folgen psychiatrischer Medikation leiden. Entgegen fr\u00fcher ge\u00e4u\u00dferter Hoffnungen lie\u00df sich bislang nicht \u00fcberzeugend nachweisen, dass die neueren Substanzen der zweiten Generation wie Clozapin, Risperidon, Olanzapin oder Quetiapin in Bezug auf ihr Nebenwirkungspotential eine bessere Bilanz aufweisen, letztlich auch nicht, was die Hirnvolumenminderung angeht. <\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>L\u00e4ngere Dauer der Krankheit und antipsychotische Behandlung waren beide mit Verlust an Hirngewebe verbunden. H\u00f6here Dosen von Antipsychotika waren mit Hirngewebeverlust, reduzierter grauen Substanz und zunehmenden R\u00fcckg\u00e4ngen der wei\u00dfen Hirnsubstanz verbunden, also gr\u00f6\u00dferer Hirnsch\u00e4digung verbunden. 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