Angst vor Veraenderung

veraenderung1Leben bedeutet Wandlung und Veränderung

In ständigem Wandel zu leben, ist jedoch nicht immer einfach. Denn Weiterentwicklung bedeutet zugleich Aufbruch und Abschied von Altvertrautem. Weiterentwicklung bedeutet, dass wir uns von unseren bisherigen Gewohnheiten, Beziehungen, unserer bisherigen Umgebung und auch von unserer bisherigen Identität verabschieden müssen.

Uns Trennen bedeutet immer Trauern. Wenn wir trauern, durchleben wir eine Woge von zum Teil heftigen Gefühlen: Protest gegen die Veränderung, Wut, Schmerz und Verzweiflung. Daher haben wir eine panische Angst vor irgendeine Veränderung der Beziehung. Eine einfache Lösung wäre, den Status quo zementieren. Das heißt, wir können versuchen, die Beziehung so festzulegen, wie wir sie idealerweise haben wollen. Sie soll auf dem Höhepunkt ihrer Blüte stehenbleiben und sich nie mehr verändern. Nicht zufällig sehen wir uns nun die Eheschließung als Beispiel an. Das Wort „Ehe-Schließung“ scheint kennzeichnend für den hier beschriebenen Prozess zu sein. Die Beziehung wird wie in einem festen Gefäß eingeschlossen. Ihre Entwicklung ist damit abgeschlossen.

Die Institutionalisierung der Beziehung
Nun kommt neben dem Paar der dritte Partner ins Spiel: die Gesellschaftsordnung. Sie ist ein sehr gewichtiger Partner – und das ist ja das, wonach das Paar sucht: ein starker, zuverlässiger Partner, der ihre Unsicherheit besänftigen soll. Hinter der Gesellschaftsordnung steht aber das Kollektivinteresse der Mitglieder der jeweiligen Gesellschaft, zumindest der herrschenden Mitglieder dieser Gesellschaft. Die Verknüpfung geschieht durch die Institutionalisierung der Beziehung, das heißt durch die feierliche, ja heilige Absegnung der Beziehung durch die Gemeinschaft.

Die Institutionalisierung der Beziehung vollzieht sich durch einen feierlichen Vertrag zwischen den drei Partnern: dem Beziehungspaar und der Gesellschaft. Hier ist wichtig nicht nur ein Vertrag zwischen zwei Personen, sondern ein Vertrag zwischen drei Parteien. Die dritte Partei, die Gesellschaft; schreibt die Bedingungen dieses Vertrags ab!
Die Gesetze des Staates und die Sakramente der Kirche sind für ihre Mitglieder die höchsten bindenden Verträge. Wenn eine Beziehung durch Staat und Kirche abgesegnet wird, steht sie unter den Vertragsnormen und Regeln beider Mächte. Sie wird dadurch unlösbar oder zumindest nicht lösbar ohne größeren Schaden für die Partner.

Galina Toktalieva

Kyrgyzstan-born author residing in Graz, Austria

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