Cumulus framed

Whenever I go to Main Square with idea to make good photo of a horse, the blinders – leather flaps of bridle to keep horse from seeing anything on both sides – abash me. They say horses need those blinders to drag carriage with tourists forward. They also say about folks who are not able to accept reality: people have their blinders on. However, to move steadily forward, one virtually needs to concentrate at target and ignore anything else around – to put blinders on. Photographers experimenting with image know that any occasional element included in frames suddenly gets quality of wholeness. Frames draw attention to detail retrieved from blurred zone of our perception. Can we really believe our eyes, if consider that eagles, cats or flies see the world differently?

Perhaps picture of universe we have in mind reflects before anything else the visual processing capacities of our brain. Selectivity of this perception is responsible for frames, enclosures, boundaries and borders we generate all the time. As a child, I felt shaken by idea of infinity. Attending normal Soviet school, where divine explanation of creation according to Lenin’s aphorism about opium of the masses, was out of question, I together with other saluting soviet pioneers was dropped on mercy of relativity theory and my own imagination. If universe with billions of galaxies had no edges, why space and time of my local reality had? Furthermore, why eternity was not equally eternal in all directions?

Our ordinary life consisted of beginnings and endings, squeezed in marked limits, where any event finally terminated and any progress confronted fences, barriers and barbwire walls. Later I concluded that history of humankind was history of erecting or expanding borders, and became less confused by frame making in different forms I witnessed, including frame making of my own mind. If to make trip from Vienna, which stands now for place of my residence, to Talas in Kyrgyzstan, where I was born, moving in train through territories of Europe, Russia and Central Asia, one may endure episodes of passport inspections many times.

Nevertheless, sky would be everywhere the sky, and water would be everywhere the water, as well as basic traits of people and their feelings – in spite of different languages used – would be in core the same. When traveling by air and lined up in airports by passport-control booths in slowly progressing queue, I would feel suddenly easy and playful under enigmatic gaze of person in uniform, who, it seemed, tried to uncover on the spot one’s breaking border faults. I knew that real invisible me was something like cumulus or jinn out of bottle – spirit passing through any barriers, wind-driven, impossible to cage, to fix or pinpoint at what side of border it is. When in the plane, I peered out of window at earth below – at first divided in two or three, then in more segments as Lilliputians land or patched blanket, but the higher airplane rose, the less segmented picture I saw, and eventually all divisions faded away.

When traveling by car and still keeping in mind how it was when the Wall between East and West Germany existed, I savored easiness of crossing EU borders. Whatever symbols one had – be it dragons, mutant two-headed eagles or hammer and sickle – printed on piece of carton and kept in breast pocket as passport; one simply moved on and on. Miraculous expansion of human mind and its manifestation! Globalization goes forward, and one day there will be no more illegal travelers crossing distances in coal containers and meat refrigerators to reach the Promised Land. If different sort of borders are still here today mostly for group identifications, why not try thinking beyond them?

Mein Himmel

Werner Braun Übersetzung

Sooft ich auf dem Hauptplatz eine gute Fotografie von einem Pferd machen will, irritieren mich dabei die ledernen Scheuklappen am Geschirr, die das Pferd daran hindern, zu sehen, was seitlich von ihm vorgeht. Man sagt, dass Pferde Scheuklappen bräuchten, um die Fiaker mit den Touristen ruhig und sicher durch den Großstadtverkehr zu ziehen. Man sagt auch von Leuten, die nicht sehen, was ringsherum vorgeht, dass sie Scheuklappen hätten. Trotzdem: Um unbeirrt auf ein Ziel zuzusteuern muss man alles, was links und rechts geschieht, einfach ignorieren; das bedeutet, man muss sich Scheuklappen aufsetzen.
Fotografen, die sich mit der Wirkung von Bildern auch experimentiell beschäftigen, wissen, dass jedem zufälligen Element eines Bildes plötzlich die Qualität der Gesamtheit zukommt, wenn man das Bild in einen Rahmen spannt. Rahmen lenken die Aufmerksamkeit auf Details, die sonst nur in den verschwimmenden Bereichen unserer Wahrnehmung existieren. Können wir daher unseren Augen wirklich trauen? Adler, Katzen und Fliegen haben jeweils ein ganz anderes Bild von der Welt als wir. Daraus lässt sich erahnen, dass die Art und Weise, wie wir die Welt wahrnehmen, vor allem geformt wird von den Wahrnehmungsfähigkeiten des menschlichen Gehirns. Das Auswahlverfahren, zu welchem diese Fähigkeit gezwungen ist, ist verantwortlich für Rahmen, isolierte Strukturen,

Hindernisse und Grenzen, die wir fortwährend erschaffen. Als Kind war hingerissen von der Idee der Unendlichkeit des Kosmos. Das Weltbild, das mir die Grundschule sowjetischer Prägung vermittelte, schloss einen göttlichen Schöpfungsakt aus. So waren wir der Gnade der Relativitätstheorie ausgeliefert und unserem eigenen Vorstellungsvermögen. Wenn das Universum mit seinen Billionen Galaxien keine Ecken hat, warum gilt das nicht auch für Raum und Zeit meiner eigenen Wirklichkeit? Warum ist ist die Ewigkeit nicht nach allen Seiten hin gleichermaßen ewig? Das gewöhnliche Leben beginnt und endet; es ist eingequetscht in vorgegebene Schranken, an welchen alles enden muss und wo jeder Fortschritt zum Stillstand kommt an Zäunen, Mauern und Stacheldrahtverhauen.
Mit der Zeit erschien mir die Menschheitsgeschichte als die fortwährende Tätigkeit des Errichtens oder Erweiterns von Grenzen; und das Einrahmen in allen möglichen Formen, in denen es mir begegnete, war mir nicht mehr so unbegreiflich. Das schließt auch die Rahmen mit ein, die ich selbst um mein eigenes Denken zog.

Auf einer Reise von Wien nach Talas in Kirgistan, wo ich geboren bin; auf einer solchen Bahnreise durch viele Gebiete Europas, Russlands und Zentralasiens wird man häufig Passkontrollen erleben. Der Himmel über den verschiedenen Ländern würde aber immer derselbe Himmel bleiben, Wasser würde überall Wasser sein und auch die Menschen sind überall Menschen. Selbst wenn sie verschiedene Sprachen sprechen, die Grundzüge ihres Wesens und ihre Gefühle gleichen sich im Kern.
Auf einer Flugreise, wenn ich mich am Flughafen der Sicherheitskontrolle unterziehen muss, fühle ich mich oft belustigt unter dem durchdringenden prüfenden Blicken der Uniformierten, die – wie es mir scheint – auf der Stelle erkunden wollen, ob ich in meinem Leben schon Grenzen verletzt hätte. Ich weiß aber, dass mein wahres, unsichtbares Selbst das Wesen einer Wolke, eines Kumulus hat – oder das eines Flaschengeists, dessen Präsenz auf dieser oder jener Seite der Grenze schwerlich präzise nachgewiesen werden kann.

Aus dem Flugzeugfenster sehe ich dann die Gegend darunter aus Flicken zusammengesetzt wie das Land Liliput aus “Gullivers Reisen” oder wie eine Patchworkdecke. Zuerst sind es zwei oder drei Flicken, dann werden es mehr, aber je höher das Flugzeug steigt, desto einförmiger, desto weniger segmentiert erscheint mir das Bild der Erde, bis schließlich alle Unterschiede verblasst sind. Wenn ich mir auf einer Autoreise durch Europa in Erinnerung rufe, wie es war, als noch eine Grenze mitten durch Deutschland ging, kann ich die Leichtigkeit, mit der sich die EU-Binnengrenzen überwinden lassen, erst richtig genießen. Egal, welcher Nationalität man ist, man kann einfach weiterfahren: eine wunderbare Erweiterung des menschlichen Bewusstseins und seiner Manifestation auf der politischen Landkarte! Die Globalisierung schreitet voran und eines Tages wird es keine illegalen Einwanderer mehr geben, die im Kohlendeck von Schiffen oder in Kühlbehältern von Lastern mächtige Entfernungen überwinden um das zu erreichen, was sie für ihr Gelobtes Land halten. Aber solange es noch Grenzen gibt, damit sich die Menschen mit anderen innerhalb dieser Grenzen identifizieren können, warum sollte ein freier Geist nicht versuchen, darüber hinaus zu denken?

Galina Toktalieva

Kyrgyzstan-born author residing in Graz, Austria

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1 Response

  1. PRANAV says:

    Thank you for your writing! Great work.