Triumph sozialistischer Utopie

Die Moskauer Metro, 1935 eröffnet, ist die U-Bahn der russischen Hauptstadt Moskau. Sie gehört zu den U-Bahn-Systemen mit den tiefsten Tunneln und Bahnhöfen der Welt und ist mit knapp 2,4 Milliarden Fahrgästen jährlich (Stand: 2011) auch eine der am stärksten in Anspruch genommenen U-Bahnen weltweit.

Die Moskauer Metro ist viel mehr als das wichtigste Nahverkehrsmittel der Hauptstadt: Sie befördert täglich etwa neun Millionen Passagiere – jeden Moskauer also einmal.

Palastartige Bahnhöfe, weitläufige Säle mit verzierten Kronleuchtern, Mosaik-geschmückte, riesige Hallen machen die Metro zum steingewordenen Triumph sozialistischer Utopie. Paläste für das Volk, die beste U-Bahn der Welt für die Hauptstadt des Arbeiter-und-Bauern-Reichs. Wikipedia

Stalin steckte im Metro-Tunnel fest

Die Liebe der Sowjetunion für symbolträchtige Daten ist schon fast legendär. Wichtige Dinge werden zu großen Daten wie dem Tag der Oktoberrevolution oder dem 1. Mai eingeweiht.

Da machte auch die Moskauer Metro keine Ausnahme, wäre nicht Stalin dazwischen gekommen. Vor ihrer geplanten offiziellen Inbetriebnahme am Tag der Arbeit wollte sich Stalin von „seinem“ Werk überzeugen. Er unternahm eine Testfahrt mit der Untergrundbahn, bei der alles reibungslos funktionieren sollte. Zumindest, wenn die Beteiligten mit ihrem Leben davon kommen wollten.

So fuhr der große Führer eine Weile, bis schließlich die Signalanlage in der Metro versagte. Der Zug mit Stalin stand eine halbe Stunde im Tunnel, ohne dass es einen Ausweg gegeben hätte.
Daraufhin wurde die Eröffnung um zwei Wochen auf den 15.Mai 1935 verschoben. Der Tag hatte bis dahin für die Sowjetunion noch keine besondere Bedeutung. Ob die für die Testfahrt und die Signale Verantwortlichen den Tag überlebt haben, ist unbekannt.

Galina Toktalieva

Kyrgyzstan-born author residing in Graz, Austria

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